Der Montagsnewsletter
Der Newsletter hieß *Gedanken aus dem Stall* und war, wie der Name korrekt nahelegte, nicht überambitioniert. Ich hatte ihn im Herbst angefangen, zwei Monate nachdem Klaus gestorben war, weil meine Schwester am Telefon gesagt hatte, ich brauche eine Struktur, und weil ich mir nicht vorstellen konnte, einem fremden Menschen in einer Kreativgruppe zuzuhören, der in einem Berliner Kellergeschoss über seine Mutter sprach. Also lieber Substack. Man konnte Substack im Bademantel betreiben. Das war der einzige Grund.
Ich schickte ihn montags um sieben raus, weil ich montags ohnehin früh aufstand, um die Ziegen zu versorgen, und weil das Licht in der Küche um die Zeit das einzige Licht ist, bei dem ich mir selbst über den Weg traue. Montag, sieben Uhr, Kaffee mit Schuss Milch, Terminal aufklappen, Text einfügen, auf *senden* drücken, fertig. Ein Ritual wie das Tabletten-Zählen oder das Füttern. Ich habe in meinem Leben einiges ritualisiert, damit ich es nicht denken muss.
Im März hatte ich dreihundert Abonnenten. Im Mai sechshundert. Im August achthundert, und dort blieb es, und das war genau richtig. Achthundert Leute, die meine Meinung über Ziegen hören wollten. Ich wusste, wer sie waren, ungefähr: Ein paar Bekannte aus meiner Bibliothekszeit. Meine Schwester, die es aus Pflichtgefühl abonniert hatte. Eine Frau aus Oslo, die mir einmal eine sehr lange Mail über ihre Mutter