Chapter

Erstes Kapitel: "O wehe, da gibt's noch nicht einmal Hühner!"

Es lebten einmal, vor vielen hundert Jahren, in einem kleinen Thale tief im Gebirge, einige arme Kohlenbrenner. Das enge Thal war rings von Wald und Felsen eingeschlossen. Die Hütten der armen Leute lagen im Thale umher zerstreut. Einige Kirschenund Pflaumenbäume bei jeder Hütte, etwas Ackerland mit Sommergetreide, Flachs und Hanf, eine Kuh und einige Ziegen waren all ihr Reichtum. Indes erwarben sie noch einiges mit Kohlenbrennen für die Eisenschmelze im Gebirge. So wenig aber die Leute hatten, so waren sie dennoch ein sehr glückliches Völklein; denn sie wünschten sich nicht mehr. Sie waren bei ihrer harten Lebensart, bei steter Arbeit und strenger Mäßigkeit vollkommen gesund, und man sah in diesen armen Hütten – was man in Palästen vergebens suchen würde – Männer, die über hundert Jahre alt waren. Eines Tages, da schon der Hafer anfing sich zu bleichen und es in dem Gebirge sehr heiß war, kam ein Köhlermädchen, das die Ziegen hütete, fast außer Atem nach Hause gesprungen, und brachte ihren Eltern die Nachricht, es seien fremde Leute in dem Thale angekommen, von gar wundersamer Tracht und seltsamer Redensart: eine vornehme Frau und zwei Kinder, und ein sehr alter Mann, der, ob er gleich sehr prächtige Kleider anhabe, doch nur ihr Diener scheine. »Ach«, sagte das Mädchen, »die guten Leute sind hungrig und durstig, und sehr müde. Ich traf sie, als ich eine verlorne Ziege suchte,

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