Die Drei Versionen
Mira war drei Namen gewesen.
Bis sie vier war, war sie *Mihaela* gewesen — der Name ihrer Großmutter, von ihrer Mutter ausgewählt, weil ihre Großmutter ein Jahr vor Miras Geburt gestorben war. Mihaela war ein bedachter, etwas altmodischer, achtbuchstabiger Name. Es war ein rumänischer Name. Miras Mutter war Rumänin und Miras Vater war Brite, und die Familie wohnte in einer kleinen Stadt nahe Liverpool.
Von vier bis elf war sie *Misha* gewesen. Das war der Spitzname ihres Vaters. Er hatte ihn angefangen, als sie ganz klein war — *kleine Misha, meine kleine Maus* — und er war geblieben. Ihre Grundschule hatte sie als Misha gekannt. Auf ihrer Geburtsurkunde stand Mihaela. Sie hatte die Inkonsistenz unbedacht behalten, so wie Kinder alle möglichen Inkonsistenzen unbedacht behalten.
Als Mira elf war, war die Familie sechzig Meilen weiter südlich gezogen, wegen der Arbeit ihres Vaters. Neue Stadt, neue Schule, keine Freunde. An ihrem ersten Tag an der neuen Schule war sie bei der Anmeldung gefragt worden, welchen Namen sie auf die Klassenliste setzen solle. Sie hatte lange dort gestanden. Sie hatte — aus Gründen, die sie damals nicht hätte erklären können — an der neuen Schule nicht Misha sein wollen. Misha war der Name, mit dem ein kleines Kind angeredet wurde. Misha war der Name, den ihr Vater benutzte. Misha klang nicht nach jemandem, der sie mit elf hatte sein wollen. Aber sie