Die Nacht In Der Er Nicht Mehr Sprach
Am Mittwochmorgen rief die Traudl um fünf vor sieben an. Meine Mutter nahm im ersten Klingeln ab. Das war eine Gewohnheit, die sie sich in vier Jahren angeeignet hatte. Ich hörte vom Flur aus, wie sie nur einmal sagte: „Jo. Jo. Wir kommen." Und dann hörte ich, wie sie den Hörer auflegte und stehenblieb und nichts sagte. Nach einer halben Minute kam sie zum Treppenabsatz.
„Magda."
„Ja."
„Er is seit der Nacht nicht mehr ansprechbar. Die Traudl sagt, wir sollen kommen. Heut oder morgen."
„Ich bin in zehn Minuten fertig."
„Gut."
Ich zog die Sachen vom Vortag wieder an. Ich wusch mir das Gesicht, aber ich putzte mir nicht die Zähne, was ich später bereute, und ich nahm die Haare zurück in einen Zopf und ging hinunter. Meine Mutter stand an der Haustür mit ihrem Mantel in der Hand. Der Bruno stand neben ihr. Er wußte Bescheid. Er wußte an der Hand an dem Mantel Bescheid, den sie fester hielt, als sonst.
Wir fuhren nach Landshut. Es regnete. Der Regen hatte gegen vier angefangen und war nicht stark, aber er hörte nicht auf. Die Scheibenwischer am Opel zogen eine kleine Schliere links, die meiner Mutter nicht auffiel, die mir aber auffiel, weil ich sie im Licht der Straßenlaternen fünfzehn Minuten lang ansah, bis wir auf den Parkplatz des Hospizes rollten.
Stefan stand schon draußen. Er war vor uns dagewesen. Er trug das karierte Hemd vom Montag und eine dunkelblaue
