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Ein Brief Den Ich Nicht Schickte

Am Samstagabend, nach dem Hospizbesuch, nach dem Braten mit Stefan und Nadine und den drei Kindern, die ich vorher nur auf Weihnachtsbildern gesehen hatte, nach dem Abwaschen der zu vielen Teller und nach dem Verschwinden aller Menschen aus der Küche, saß ich allein am Ecktisch mit einem Notizbuch, das ich aus Hamburg mitgebracht hatte, und begann, einen Brief zu schreiben. Ich schrieb: *Lieber Papa.* Ich blieb eine lange Zeit bei diesen zwei Wörtern sitzen. Es war das falsche Papier, es war eine falsche Anrede, und es war außerdem der falsche Zeitpunkt, weil er am Montag sterben würde, oder am Dienstag, wie die Traudl es angedeutet hatte, ohne es direkt zu sagen, und ein Brief, den ich am Samstag begann, würde ihn nicht rechtzeitig erreichen, selbst wenn ich ihn am Montag früh vorlesen würde, was ich nicht tun würde, weil ich keinen Brief vorlesen würde, den ich ihm hätte schreiben sollen, als er noch in der Küche saß und unter der Hängelampe die Zeitung las. Ich schrieb trotzdem. *Ich hätte dir vor zwölf Jahren schreiben sollen, als die Krankheit noch nicht da war und du auf dem Hof gestanden bist und den Fahrern erklärt hast, wie man einen Lkw ordentlich abschmiert. Ich hätte dir schreiben sollen, daß ich nach der zehnten Klasse aufs Gymnasium in Landshut wollte, weil mir in der Realschule in Geisenhausen ein Lehrer, den ich nicht nennen werde, gesagt hat, ich sei zu

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