Meine Mutter Am Herd
Am zweiten Abend, nachdem wir aus dem Hospiz zurückgekommen waren, stand meine Mutter am Herd und briet Leberkäs. Sie stand mit dem Rücken zu mir, das Küchenmesser in der rechten Hand, und sie wendete die Scheiben mit einer Sicherheit, die ich nicht an ihr kannte. Meine Mutter hatte, solange ich ein Kind gewesen war, am Herd immer so ausgesehen, als würde sie gerade erwischt werden. Jetzt sah sie aus wie eine Frau, die das lange genug gemacht hatte, um zu wissen, daß niemand dazwischenkommen würde.
Ich saß am Ecktisch mit einer Tasse Kaffee, die schon lange kalt war. Der Hund Bruno lag unter meinem Stuhl, nicht unter ihrem. Es war ihm egal, bei wem er lag. Es war nicht mein Hund, aber er kannte mich seit zwei Tagen und hatte mich adoptiert mit der Gleichgültigkeit, mit der alte Hunde das tun.
„Magst an Leberkäs", sagte sie, ohne sich umzudrehen.
„Scho."
„Mit Spiegelei oder ohne."
„Mit."
„Ein Ei oder zwei."
„Eins langt."
Sie nickte und schlug ein Ei in die Pfanne, die neben dem Leberkäs stand, und setzte den Deckel darauf. Das Fenster über der Spüle war beschlagen. Draußen war es dunkel geworden, eine Aprildunkelheit, die nach Gras roch, wenn man hineinging, und nach nichts, wenn man drin blieb.
„Wie war's heute", sagte ich.
„Der Vater?"
„Der Vater."
„A guada Tag war's. Er hat am Vormittag zwei Stund geschlafen. Die Schwester Traudl hat g'sagt, der Schleim is besser
