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Chapter

Die Reichskanzlei

Ostenfels empfing sie, wie es Fremde immer empfing, zunächst durch einen Zoll und dann durch eine Treppe. Der Zoll war an der Weißen Brücke zu entrichten, und Aneli reichte ihren Passierschein einem Wachtmeister, der den Schein anhob, bis das Siegel zum Licht des Nebels zeigte, es drei Herzschläge lang betrachtete und dann an seinen Gehilfen weitergab, ohne sie selbst anzusehen. Die Treppe begann hinter der Brücke und führte achtundachtzig Stufen hoch bis zum Fuß des Kanzleihügels, auf dem die Reichskanzlei, der Dom und das Haus der Kurfürstenwitwe miteinander jene angespannte räumliche Beziehung bildeten, die man in allen drei Häusern für ein verwaltungstechnisches Missgeschick hielt und an allen drei Häusern sorgfältig hütete. Aneli hatte vor der Reise eine Karte studiert. Die Karte war von einem Kartenmaler in Dornburg angefertigt worden, der dreiundfünfzig Jahre zuvor in Ostenfels gelernt hatte und dessen Zeichnung die Reichskanzlei mit einer viel größeren Tür wiedergab, als das Gebäude tatsächlich besaß. Es war eine hohe, schmale Tür aus dem Schwarzholz der östlichen Wälder, und sie fügte sich so bescheiden in die Fassade des Verwaltungsbaus, dass Aneli sie zweimal übersah, bevor ein Schreiber in einem Kragen, der die Farbe alter Elfenbeinkammern hatte, sie darauf hinwies. Der Wartesaal der Reichskanzlei war nicht der Wartesaal, den sie erwartet hatte. Er war ein Gang.

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