Was Die Tore Noch Wissen
Am Sonntag nach Allerheiligen war der Dom von Ostenfels zu zwei Ämtern vorbereitet: zum gewöhnlichen Hochamt am Morgen und zu einer stillen, nicht liturgischen Zusammenkunft am frühen Nachmittag, zu der das Domkapitel und ein kleiner Teil der Bürgerschaft geladen waren. Bruder Maginhard hatte das eingefädelt. Er hatte es nicht als Gottesdienst eingefädelt, sondern als *Besichtigung der Kapitelaltertümer im Querschiff*, was, wie er zur Absicherung einer Protokollzeile in den Kapitelakten formuliert hatte, einer alten, selten geübten Pflicht des Kapitels entspreche, das Baugut der Stiftung jährlich in Anwesenheit von drei Bürgervertretern zu prüfen. Das Kapitel hatte nicht widersprochen. Der Propst Emilian war anwesend, sein Gesicht an diesem Nachmittag von einer Farbe, die, wie Margareta später bemerkte, in der Grenzmark *Dezember* hieß.
Aneli betrat den Dom durch die Sakristei. Sie trug ein einfaches dunkles Reisekleid, nicht das graue vom Allerheiligen, und sie hatte, auf Margaretas Rat, keinen Schmuck angelegt, ausgenommen die Kette mit dem kleinen Zeichen. Das Haus der Witwe hatte sie, weil der Weg nur dreihundert Schritte weit war, zu Fuß verlassen. Der Mann Margaretas ging zehn Schritte hinter ihr. Er ging nicht mit in den Dom; er blieb an der Sakristeitür stehen, in einer Weise, die bedeutete, dass er nichts zu tun habe, außer zu schauen.
Im Querschiff warteten sieben
