Die Naechste Wahlperiode
In der letzten Oktoberwoche berief Reichskanzler Otwin die Kurfürsten zu einer *nicht förmlichen Zusammenkunft* ein. Das Wort, das er verwendete, hieß in der Kanzlei *Vorverständigung*. Die Vorverständigung, das wusste in Ostenfels jeder, der sich die Mühe machte, zuzuhören, war eine Sitzung, die es nach der Reichsordnung nicht gab, aus der aber, in der geübten Abwicklung Otwins, in acht von zehn Fällen die Ergebnisse einer Wahl bereits feststanden, bevor die Wahl selbst abgehalten wurde. Otwin war geschickt. Otwin hatte in den letzten siebenunddreißig Monaten gelernt, dass die Wahl eines Kaisers im Reich Ostreich kein politischer Akt mehr sei, sondern ein Akt der Bekräftigung einer Vorverständigung, die gewöhnlich seine eigene war.
Die Vorverständigung dieses Oktobers sollte im Haus des Kurfürsten von Dornburg stattfinden, weil Dornburg, wie Margareta beim Abendessen im Haus der Witwe Aneli erklärte, die einzige Kurwürde war, in deren Stadthof Otwin sich so bewegen konnte, als sei es sein eigenes. Zur Vorverständigung geladen waren fünf von sieben Kurfürsten. Der Bischof von Ostenfels nicht. Der Kurfürst von Wildhagen, zur Überraschung einiger, auch nicht. Zur Überraschung einiger nicht: Wildhagen hatte sich nach seinem schmalen Briefwechsel mit Aneli aus der Vorverständigung herausgehalten, nicht durch eine offene Erklärung, sondern durch die schlichte, diplomatisch
