Der Kurfuerst Empfaengt Keinen
Am Morgen nach ihrem Besuch im Dom beschloss Aneli, den Versuch bei einem Kurfürsten zu wagen. Nicht beim Bischof von Ostenfels, denn dieser empfing nicht. Nicht beim Kurfürsten von Dornburg, denn dieser hatte im Frühjahr mit Reichskanzler Otwin eine Wahlkapitulation vorbesprochen und war seit dieser Vorbesprechung unerreichbar. Auch nicht beim Kurfürsten von Freiburg, der in seinem Schloss am Oberlauf des Eichflusses lag und in dessen Kanzlei man drei Wochen im Voraus um einen Termin nachsuchen musste. Sie wollte es beim Kurfürsten von Wildhagen versuchen, weil Margareta ihr gesagt hatte, Wildhagen sei der einzige Kurfürst, der seine Geschäfte persönlich führe, und er sei ein Mann, der schneller höre, als er spreche.
Das Kurfürstenhaus zu Wildhagen lag nicht in Ostenfels, aber es unterhielt an der Straße nach dem Reichstag einen Stadthof, der, wie alle Stadthöfe der Kurfürsten, kleiner war als das Haus der Kurfürstin-Witwe, weil die Kurfürsten selbst die Politik in ihren Landen betrieben und in der Hauptstadt nur einen Verwaltungsposten unterhielten. Der Stadthof zu Wildhagen hatte einen Haushofmeister, einen Kanzleischreiber, zwei Stallburschen und einen Fachmann für die kleine Kasse, die notwendigen Zahlungen an Gasthöfe, Boten und Konsistorien.
Aneli trat am Vormittag mit einem Empfehlungsbrief Margaretas ein. Der Haushofmeister, ein Mann Mitte sechzig, nahm den Brief