Die Stimme Des Kapitels
Das Domkapitel von Ostenfels hatte in der Reichsverfassung eine Stellung, die in der Kanzlei höflich und in der Bürgerschaft unhöflich beschrieben wurde. Offiziell war es eine der sieben Kurstimmen, die dem Bischof von Ostenfels anhingen, und der Bischof von Ostenfels hatte seit siebenundzwanzig Jahren die Würde geerbt wie ein Amt, das man annimmt, weil man sich davor nicht gut drücken kann. Inoffiziell sprach man die Kurstimme dem Domkapitel zu, weil der Bischof sich seit siebenundzwanzig Jahren weigerte, den Kopf weiter einzumischen, als man einen Kopf für die Segnung einer Salve Regina eben einmischen muss. Das Domkapitel bestand aus vierzehn Kanonikern, von denen zwölf in Ostenfels residierten, und es wurde von einem Dompropst geführt, dessen Name Aneli aus den Gesprächen am Schanktisch kannte: Propst Emilian.
Margareta schickte sie am folgenden Morgen zum Dom. Sie sandte sie nicht allein. Sie schickte sie mit einem Empfehlungsbrief an einen der Kanoniker, einen Mann, der Bruder Maginhard hieß und der, wie Margareta erklärte, der jüngste Kanoniker des Kapitels war, vierzig Jahre alt, klug, ehrgeizig auf die gesunde Weise und, was bei Geistlichen selten sei, auskunftsfreudig an Tagen, an denen er seine Morgenandacht hinter sich hatte. Sie schickte sie nicht zum Propst. Zum Propst, sagte Margareta, geht man in der Reihe, in der man die Treppe hochsteigt, und man steigt die