Das Erbe
Herr Halpern starb an einem Dienstag im März. Theo war dreizehn.
Theo ging an jenem Tag nicht zur Schule. Er saß in seinem Zimmer und weinte den größten Teil des Vormittags. Seine Mutter setzte sich manchmal zu ihm. Seine Mutter ließ ihn weinen. Sie sagte: „Er war dein Freund. Du darfst ihn so betrauern wie jeden anderen Freund." Theo war dankbar.
Die Beerdigung war klein. Herrn Halperns Nichte, die Theo ein paar Mal getroffen hatte, fragte Theo, ob er etwas vorlesen wolle. Theo schrieb einen kurzen Text. Er las ihn sorgfältig in der kleinen Kapelle vor, mit dreizehn Jahren:
*Herr Halpern war mein Freund. Er war achtzig Jahre älter als ich. Ich glaube, ich habe von ihm mehr gelernt, als ich von irgendeinem Lehrer gelernt habe. Er hörte mehr zu, als er sprach. Er war freundlich, ohne weich zu sein. Er hat mir einmal gesagt, das Beste am Altwerden sei, dabei zusehen zu dürfen, wie die nächste Generation zu sich selbst werde. Ich werde mich mein ganzes Leben an ihn erinnern.*
Sechs Wochen nach der Beerdigung kam Herrn Halperns Nichte mit einem Päckchen vorbei.
„Er hat das für dich hinterlassen", sagte sie. „Er hatte sehr genaue Vorstellungen. Er hat deinen Namen auf den Karton geschrieben."
Theo öffnete es vorsichtig.
Drinnen lag das kleine Radio. Das Papier der Zeitung, die Herr Halpern an seinem Todestag gelesen hatte. Ein kleines gerahmtes Foto vom Bahnhof, den Herr