Ein Nachbar Am Zaun
Als Theos Familie in den kleinen Bungalow am Rosenweg zog, war der Mann nebenan schon alt.
Er hieß Herr Halpern. Er war zweiundneunzig. Er wohnte in seinem Bungalow, sagte die Nachbarin Frau Krauss, seit einundsechzig Jahren. Seine Frau war vor elf Jahren gestorben. Die meisten seiner alten Freunde waren entweder gestorben oder weggezogen. Er hatte eine Nichte, die jedes zweite Wochenende kam.
Meistens saß Herr Halpern in seinem Garten.
Die beiden Gärten teilten sich einen niedrigen Holzzaun. Theo, der zehn war, konnte Herrn Halperns Bank von seinem Schlafzimmerfenster aus sehen. Herr Halpern kam gegen zehn heraus, setzte sich mit einem kleinen Radio auf die Bank und las die Zeitung. Er ging zum Mittagessen hinein. Er kam um drei wieder heraus. Er ging um fünf wieder hinein.
Theos Mutter hatte gesagt: „Sei höflich, wenn du ihn über den Zaun siehst. Stör ihn nicht. Er ist ein zurückgezogener Mann."
Drei Wochen lang war Theo höflich. Er sagte guten Morgen, wenn er Herrn Halpern sah. Herr Halpern sagte sehr korrekt guten Morgen zurück, ließ sich aber nicht weiter darauf ein.
In der vierten Woche beschloss Theo, etwas zu tun, was er, streng genommen, nicht tun sollte.
Er holte eine kleine Schale heraus. Er füllte die Schale mit Mirabellen aus dem Garten seiner Großmutter, von denen seine Mutter ihm einen Korb geschenkt und gesagt hatte, er dürfe sie weitergeben. Er nahm die