Frau Hudson Und Der Bote
Wenn ich die Monate vor mir ausbreite, in denen die Briefe eintrafen, so fällt mir auf, daß Frau Hudson, in ihrer stillen, beinahe beiläufigen Art, für den Gang der Dinge mehr getan hat als mancher, der sich dazu mit Namen und Titel vorgestellt hätte. Es war sie, die in der zweiten Aprilwoche beobachtete, was wir Mietsherren aus unseren Fenstern nie hätten beobachten können, weil es in einer Lage unterhalb unseres Blickwinkels geschah: nämlich, daß ein zweiter Brief ebenfalls ohne Poststempel in ihrem Drahtkasten lag, und zwar zu einer Tageszeit, zu der er nicht hätte dort sein dürfen.
„Ich war um halb elf an der Tür, Herr Holmes," sagte sie, als sie den Umschlag auf unserem Frühstückstisch niederlegte, „und da lag er nicht. Ich habe Miss Parsons von den Lauferinnen nach hinten gebeten, wegen der Bettwäsche – ich rede fünf Minuten höchstens mit dem Mädchen, es ist eine tüchtige Person. Als ich wieder an der Tür vorbeikam, um die Wochenrechnung für den Kohlenhändler aufs Hallbord zu legen, da lag der Umschlag im Kasten, und die Tür war zu, wie ich sie zurückgelassen hatte."
„Sind Sie die fünf Minuten durchgehend mit Miss Parsons beisammen gewesen?"
„Durchgehend, Herr Holmes. Ich habe ihr die Laken selber gereicht, wir haben sie zusammen gezählt."
„Dann hat unser Bote einen Schlüssel," sagte Holmes.
Frau Hudson erschrak und ließ die Hand an den Hals fahren.
„Ich bitte Sie,