Der Unsichtbare
Der dritte Mann existierte nicht. Nicht im polizeilichen Sinne — die Polizei hatte ihn schlicht nicht bemerkt. Aber auch nicht im bürokratischen Sinne: Pauls Versuche, ihn über das Kamerabild zu identifizieren, liefen ins Leere. Die Gesichtserkennung lieferte keinen Treffer in keiner Datenbank. Die Kleidung war markenlos, unauffällig, die Art von Kleidung, die man in jedem Kaufhaus für dreißig Euro findet und die sich niemand merkt. Der Mann war ein Phantom, sichtbar nur in jenem einen Kamerabild, als hätte er für genau diesen Moment existiert und sich danach aufgelöst.
Paul begann zu graben, und je tiefer er grub, desto seltsamer wurde das Bild, das sich zusammensetzte. Der Unfall war kein Unfall. Die Fußgängerin — Dr. Helene Kraus, Biologin am Bernhard-Nocht-Institut — hatte an einem Forschungsprojekt gearbeitet, dessen Akten am Tag ihres Todes aus dem Institutsarchiv verschwunden waren. Der Fahrer des Lieferwagens war ein Zeitarbeiter mit gefälschten Papieren, der sich nach dem Unfall in Luft aufgelöst hatte, genau wie die Zeugen. Und Paul fand, als er die Überwachungsaufnahmen der vergangenen Wochen durchsah, den dritten Mann auf drei weiteren Bändern — immer in der Nähe von Dr. Kraus, immer am Rand des Bildes, immer mit demselben ausdruckslosen Gesicht.
Jemand hatte eine Wissenschaftlerin getötet und es wie einen Unfall aussehen lassen, und der dritte Mann war der