Der Lange Januar
Der Januar war der schlimmste Monat, auch wenn Pia das damals nicht wusste.
Das neue Jahr hatte in einem dichten Nebel begonnen. Lukas hatte die meisten Weihnachtsferien in seinem Zimmer verbracht. Er hatte zu Weihnachten eine volle Mahlzeit gegessen, und Pia hatte zugesehen, wie ihr Vater leise die Bissen zählte. Lukas hatte nichts über Geschenke gesagt. Er hatte nichts über seine Prüfungen gesagt, die jetzt zwölf Wochen entfernt waren. Er hatte, wenn man fragte, gesagt, es gehe ihm gut. Er hatte das Wort *gut* wie eine kleine Holztür benutzt, die er zuziehen konnte.
Pia, in ihrem eigenen Zimmer auf der anderen Seite des Flurs, führte ihre Liste weiter.
Auf der Liste stand jetzt: *Lukas hat seit November nicht mehr Gitarre gespielt. Lukas lacht nicht mehr über die Sache im Radio, über die wir immer gelacht haben. Lukas sagt nicht mehr Gute Nacht. Lukas sieht niemandem in die Augen, nicht einmal Mama.*
Pia liebte ihren Bruder. Lukas war derjenige gewesen, der sie als Kleine zur Schule gebracht hatte. Lukas war derjenige gewesen, der sie, als sie neun war und ihren ersten richtig schlechten Tag in der Schule hatte, vierzig Minuten lang in seine Schulter weinen ließ, ohne zu versuchen, irgendetwas zu reparieren. Lukas war derjenige gewesen, der vor zwei Jahren zu jedem ihrer Grundschulstücke gekommen war und lauter geklatscht hatte als alle anderen.
Dieser Lukas war fort. Es