Chapter

Eine Lockere Diele

Halle war seit drei Tagen im neuen Haus, als sie es fand. Sie packte gerade ihre Bücher aus — den Karton, auf den ihr Papa in seiner sorgfältigen Handschrift HALLE BÜCHER geschrieben hatte —, als ihr Fuß auf die Ecke der Diele am Fenster trat und die Diele sich etwa einen Zentimeter hob. Sie setzte sich auf die Fersen. Halle war jemand, der Dinge bemerkte. (Frau Lukacs, ihre Lehrerin an der alten Schule, hatte das in jedes Zeugnis geschrieben. *Halle ist aufmerksam. Sie bemerkt, was andere übersehen.* Halle hatte das immer entweder als Lob oder als Warnung verstanden, je nach Tag.) Sie drückte die Ecke noch einmal. Sie hob sich. Sie schob den Finger darunter. Die Diele ließ sich anheben — nicht ganz, nur weit genug, dass sie in den dunklen Hohlraum darunter sehen konnte. Der Hohlraum roch nach altem Holz und Staub und einer lange stillen Art von Kälte. Da war etwas drin. Halle griff mit zwei Fingern hinein, so wie sie es bei Archäologen im Fernsehen gesehen hatte. Sie zog ein gefaltetes Stück Papier heraus, brüchig an den Rändern, in der Farbe von hellem Tee. Es war ein Brief. Die Handschrift war klein und ordentlich. Das Datum oben lautete *14. März 1942*. *Lieber Papa*, begann der Brief, *ich schreibe das im Dunkeln, weil sie wieder das Licht ausgemacht haben wegen der Flugzeuge. Mama sagt, wir sollen keine Angst haben, aber ich glaube, sie hat selbst Angst. Die

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