Meine Mitkandidatin
Die erste SV-Sitzung unter meiner Leitung fand am Mittwoch, dem zwölften September, um sechzehn Uhr in Raum zweihundertsieben statt, und sie begann damit, dass niemand kam. Ich saß mit Simone an den zusammengeschobenen Tischen und sah auf die Uhr, die über der Tafel hing und zwei Minuten vorging, und Simone sagte: Das ist normal. Ich sagte: Ist das normal. Simone sagte: Im Sinne von: so ist es immer gewesen. Nicht im Sinne von: so sollte es sein.
Um sechzehn Uhr sieben kam Mirjam aus der zehnten. Um sechzehn Uhr zwölf kamen die beiden aus dem Abiturjahrgang, die laut Satzung das Schulsprecheramt innehaben und deren Namen ich das ganze erste Halbjahr lang durcheinanderbringen werde. Matilda hat das lange Haar, Nadja die kürzeren. Oder andersrum, ich bin mir immer noch nicht sicher. Beide kamen mit Kaffee aus dem Lehrerzimmer, und ich dachte: Dürfen die das. Und dann dachte ich: Steht wahrscheinlich in Paragraph einundzwanzig Absatz vier. Simone hatte mir gezeigt, dass die Schulsprecherinnen Schlüssel haben, auch zum Lehrerzimmer, und dass das kein Privileg ist, sondern ein Recht, was ich interessant finde, weil ich es vorher nicht wusste.
Herr Hawes kam um sechzehn Uhr vierzehn, nickte mir zu, setzte sich an den Rand, und sagte nichts. Das ist das erste, was man über Herrn Hawes wissen muss: Er sagt erst, wenn er gefragt wird, und dann meistens weniger, als man erwartet hat.