Was Nach Der Abstimmung Kam
Die Mitteilung kam an einem Mittwoch, neun Tage nach der Anhörung, per Post, an die Adresse meiner Eltern. Meine Mutter legte den Umschlag auf den Küchentisch, nahm ihren Kaffee und sagte: Mach du auf. Ich riss den Umschlag, zu schnell, und der Briefbogen bekam einen kleinen Riss, den ich später, Jahre später, als ich dieses Schreiben in einer Schuhschachtel wiederfinden werde, immer noch sehen werde. Der Satz darin lautete: Das Anhörungsverfahren ist mit dem Ergebnis abgeschlossen, dass eine Ordnungsmaßnahme nicht verhängt wird. Der Vorgang wird mit einer formellen Ermahnung zu den Akten genommen. Eine Ermahnung zu den Akten ist nicht Teil der Zeugnisdokumentation und wird am Ende des Schulhalbjahres gelöscht, sofern kein weiterer Vorfall eintritt.
Meine Mutter las den Brief, und meine Mutter, die am Morgen gesagt hatte, sie werde ruhig bleiben, sagte dann: Gott sei Dank. Und dann nahm sie mich in den Arm, länger, als ich selbst gewollt hätte, und ich merkte, dass sie, meine Mutter, die immer so in sich ruht, geweint hatte, wenn ich nicht da war, an diesem Morgen und wahrscheinlich auch in den neun Tagen davor, und das war eine Information, mit der ich nicht gerechnet hatte.
Die AG Hausordnung kam am folgenden Montag zusammen, zum vierten Mal. Die Befragung war ausgewertet. Die Petition war gezählt. Frau Kestner leitete die Sitzung, Herr Rekert war diesmal da, er hörte zu,