Die Petition Die Niemand Sabotierte
Unsere Petition war Simones Idee, aber ich hatte sie übernommen, als wäre sie meine, weil es Dinge gibt, die man besser als eigene Ideen vorbringt, auch wenn sie es nicht sind, und Simone war das recht. Sie hatte im Zug zwischen Hohnhorst und Bahrenfeld gesagt, wir bräuchten Zahlen, die man zitieren kann, und Zahlen aus einer Befragung seien gut, aber Zahlen aus einer Petition seien besser, weil Zahlen aus einer Petition etwas darstellten, das die Schülerinnen und Schüler selbst getan hatten, freiwillig, ohne dass jemand sie aufgefordert habe.
Die Petition hatte einen Titel, der vorsichtig klang. *Petition der Schülerschaft zur Überprüfung der Hausordnung in den Paragraphen drei und fünf.* Kein Ausrufezeichen. Kein *für eine bessere Schule*. Keine Hashtags. Simone hatte gesagt: Du willst keine Emotion erzeugen, du willst Legitimität erzeugen. Und Emotion bei Unterschriftensammlungen wirkt kurzfristig und lässt sich leicht abtun. Legitimität hält länger.
Wir druckten zweihundert Listen. Auf jeder Liste zehn Zeilen: Name, Klasse, Unterschrift, Datum. Wir gingen Klasse für Klasse durch, in den Pausen, immer zu zweit, nie allein. Ich nahm die B und die C der Mittelstufe, Simone nahm die A und die Oberstufe, wo sie, obwohl sie erst in der neunten war, durch ihre Schwester bekannt war. Am dritten Tag hatten wir hundertachtundneunzig Unterschriften. Simone sagte: Das ist wenig. Ich