Chapter

Mein Erstling: Das Schlachtfeld von Groß-Beeren

Es ist schwer, die erste Liebe festzustellen; hat man sie oder glaubt man sie zu haben, so findet sich in der Regel, daß es noch eine allererste gab. Ein verstorbener Freund von mir war denn auch wirklich bei dieser retrospektiven Untersuchung bis an sein viertes Lebensjahr zurückgeraten. Mit der ersten literarischen Arbeit verhält es sich ähnlich. Wenn man eben seinen Erstgebornen in einem auf liniiertem Papier geschriebenen Geburtstagskarmen entdeckt zu haben glaubt, ergibt sich plötzlich, daß man schon anderthalb Jahre vorher zu einer Wilhelm-Tell-Puppentheatervorstellung einen Prolog gedichtet hat, drin, unter mehr oder weniger deutlilichen Anspielungen auf Klassenlehrer, Tyrannenmord als einziges Rettungsmittel gepredigt wird. Wirklich, es ist schwer, seinem ersten literarischen Sündenfall ein präzises Datum zu geben. Ich laß es aber darauf ankommen und bemächtige mich ohne weitres eines Sonnabendnachmittags, an dem ich, als Untertertianer, eine Fußpartie nach dem mir durch Familienbeziehungen bekannten und befreundeten Dorfe Löwenbruch hin unternahm, um mich daselbst, einen Tag lang, all meiner Schulsorgen, unter denen ein »Deutscher Aufsatz nach selbstgewähltem Thema« voranstand, zu entschlagen. Löwenbruch liegt drei Meilen südlich von Berlin und ist eines jener vielen Teltowplateaudörfer, durch die König Friedrich Wilhelm I. eine prächtige Doppelallee von Kastanien und

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