Ein Langer Sommer Kurz
Der Sommer, in dem Pia vierzehn war, war der seltsamste Sommer, den sie je gehabt hatte.
Die Stadt starb technisch. Es gab kein anderes Wort dafür. Die Umsiedlungsumzüge begannen Ende Juni. Lastwagen kamen jeden Tag. Familien packten ihr Leben in Kartons und wurden ins Landesinnere gefahren. Die leeren Häuser wurden zugenagelt. Die Bretter wurden mit einem kleinen amtlichen Stempel versehen — *Küstenumsiedlung, nicht aufbrechen, nicht besetzen* — und so gelassen.
Bis August waren in der Avila-Straße noch vier Häuser bewohnt. Pias Familie. Pias Großmutter. Mareks Familie, die Anfang September zog. Und am Ende der Straße ein altes Ehepaar, das Pia immer nur als die Halpens gekannt hatte und das, wie ihre Großmutter, beide Optionen abgelehnt hatte.
Die anderen zwölf Häuser der Straße waren zugenagelt.
Die Stadt war — auf eine Art, die Pia vorher nicht hätte beschreiben können — *still* geworden. Die Geschäfte schlossen eines nach dem anderen. Der Bus, der in die Stadt fuhr, kam zweimal am Tag statt siebenmal. Die Bibliothek hatte Mitte Juli nach hundertzwanzig Jahren in der Hauptstraße ihren restlichen Bestand ins Landesinnere gebracht. Die kleine Zeitung der Stadt hatte ihre letzte Ausgabe im August gedruckt. Die Schlagzeile lautete *danke, dass Sie uns gelesen haben*.
Pia ging jeden Abend spazieren.
Sie ging die Wege, die sie ihr ganzes Leben gekannt hatte. Sie machte in
