Verhandlung Im Esszimmer
Donnerstagmorgen um acht war ich in der Kirchgasse. Ich hatte die Thalmanns zu einer Art Sitzung gebeten, was unueblich ist — Bleibende treffen sich nicht gern in Runde —, aber die Umstaende waren ungewoehnlich. Ich wollte ihnen sagen, was an dem Abend passieren wuerde, und ich wollte ihnen sagen, was ich von ihnen brauchte.
Das Esszimmer war eines der wenigen Zimmer, in denen sich beide Thalmanns wohlfuehlten. Frau Thalmann hatte dort vierzig Jahre lang gegessen, zwanzig davon allein, nachdem ihr Mann 1961 an einem Herzinfarkt im Büro in Rostock umgefallen war. Herr Thalmann hatte dort seine Verlobung mit ihr gefeiert, 1947, und die silberne Hochzeit, die sie nie erlebt hatten, haetten sie dort gefeiert.
Ich setzte mich an den langen Tisch, der nicht mehr dort stand, aber dessen Platz noch wusste, wo er gewesen war. Frau Thalmann sass mir gegenueber. Herbert Thalmann, der sich seit der Kelleroffenbarung zuruckgezogen hatte und oft wieder in der Waschkueche war, kam nach einer Weile herein und setzte sich neben seine Frau. Er sah ihre Hand nicht an, und sie sah seine nicht an, aber sie sassen nebeneinander.
"Herr und Frau Thalmann. Ich muss heute abend etwas tun, wobei ich Ihre Hilfe brauche."
"Helfen," sagte Frau Thalmann.
"Ja."
"Seit siebzig Jahren hilft uns niemand."
"Ich weiss."
"Wir hoeren."
Ich erklaerte es. Die Kammer. Das Ding. Die fuenfhundert Jahre. Die