Ein Pfarrer Der Nicht Rechnet
Pater Enrique kam am Mittwochabend ins Büro, um den Ablauf zu besprechen. Dörte hatte ihm Kaffee hingestellt, schwarz, den er mit zuviel Zucker trank, was seine einzige Normalitaet war. Ansonsten war er unbequem normal. Keine Kutte, keine Gebetskette, keine Bibel. Eine Mappe mit Unterlagen, ein Stift, eine Brille, die er aufsetzte, wenn er las, und abnahm, wenn er sprach.
"Frau Hallbach."
"Herr Pater."
"Ich habe die Kostenplanung bestaetigt. Das Priorat in Lima zahlt."
"Dörte hat es mir gesagt."
"Ich moechte Sie warnen."
"Gut."
"Was wir machen, hat drei Teile. Erstens: die Kammer muss rituell wieder verschlossen werden. Das kann ich. Zweitens: das, was in der Kammer ist, muss waehrend des Verschliessens ruhig bleiben. Das kann ich nicht allein. Drittens: jemand muss im Haus sein, der die anderen Praesenzen — die Thalmanns, Herrn Odebrecht — waehrend des Rituals in Stellung haelt, damit sie nicht gestoert werden. Das sind Sie."
"Das ist nicht meine Rolle normalerweise."
"Ich weiss. Es ist eine Erweiterung. Ich bitte Sie, sie zu uebernehmen."
"Warum nicht sie vorher ausziehen lassen?"
Er trank einen Schluck. "Weil Herr Odebrecht noch seine Dissertation hat, die archiviert werden muss. Weil Herr Thalmann noch nicht vollstaendig akzeptiert hat, dass er tot ist. Weil Frau Thalmann nicht gehen will, ohne ihren Mann. Und weil die Kammer, sobald sie geoeffnet wird, die