Der Makler Rief Mich An
Der Makler rief mich an einem Dienstag um halb zehn an, was in unserem Gewerbe die Uhrzeit ist, zu der die Verzweifelten anrufen. Die Hoffnungsvollen rufen vor neun an, weil sie denken, ein guter Eindruck sei die halbe Miete. Die Verzweifelten rufen danach, weil sie erst Kaffee gebraucht haben, um sich einzugestehen, dass sie uns wirklich anrufen muessen.
Dörte sass mir gegenueber am Schreibtisch und wischte Krümel vom Monatsabschluss Maerz. Wir haben ein Büro in der ersten Etage ueber einer Apotheke in der Altstadt, Fenster zum Markt, drei Räume, einen Safe, in dem nichts Wichtiges liegt, weil die wirklich wichtigen Dinge bei Dörte zu Hause in einer Keksdose im Gefrierschrank sind. Die Apotheke unter uns verkauft viele Nerventropfen. Ich habe mich oft gefragt, ob das mit uns zu tun hat.
"Kirchgasse zwölf," sagte der Makler, als ich abgenommen hatte. "Kennst du das Objekt, Marle?"
"Das Eckhaus. Villa aus den Zwanzigern. Dreistöckig mit Mansarde. Steht seit letztem Sommer."
"Seit neun Monaten." Er klang, als habe er den Satz in den letzten neun Monaten oft gesagt und jedes Mal sei die Zahl ein bisschen schwerer geworden. "Wir hatten einundzwanzig Besichtigungen. Dreizehn davon sind gar nicht zu Ende gefuehrt worden. Acht haben ein Angebot gemacht und alle acht haben innerhalb von achtundvierzig Stunden zurueckgezogen."
"Was schreibt ihr ins Exposé?"
"Dass es ein Denkmal