Kapitel 19 – Kürzere Wege
Die Karte log nicht über die Länge des Schiffs. Sie log darüber, was einen Weg ausmachte.
Naos aktive Karte führte in vier Minuten durch Speiche zwei, Medblock und Reaktorschott. Der Plan stimmte noch. Keine Wand war gewandert.
Doch ob ein Mensch hindurchpasste, hatte der Plan nicht gezählt.
Speiche zwei war mit achtunddreißig Litern umgeordnetem Wasser gefüllt.
Membranen hielten es in körperlangen Taschen zwischen Boden und Decke. Der Gang blieb, für Menschen nur neunzehn Zentimeter breit.
»Nicht zwei«, sagte Liv.
Liv drehte das Bild um. Auf Papier ging es durch Speiche eins, Gemeinschaftsraum, Schacht H, Rückgrat, Fracht und Reaktorschott. Länger, aber an jeder Ecke mit einem echten Marker im Schiff belegt.
»Die Software zählt offene Türkontakte, keine Körper«, sagte Nao. Seit dem Tiefenscan liefen Schmerzen von ihren Buchsen in den linken Arm.
Ilyas wartete in der warmen Medbay. Die Pumpen gaben noch Last auf die vier dichten Wurzeln. Liv musste ihn erst zum kühlen Knoten bringen, dann die Bypässe von Hand schließen.
»Nach Papier«, sagte Liv. »Nao liest Marker. Sorel trägt Sauerstoff, Kurbel, Notkoffer. Mara die Massentafel und folgt. Ich öffne.«
Früher hätte Mara ergänzt, wohin. Jetzt wartete sie, bis Liv auf der Karte jeden Abschnitt zeigte.
Speiche eins war frei. Im Gemeinschaftsraum kniete der Joren-Kandidat unbewegt in der Wandnische; bei einem