Kapitel 12 – Das Profil
Ennas Nachricht war älter als Ilyas' neue Lunge.
Sorel hörte sie in ihrer Kabine, deren einzige Tür sie mechanisch verriegelt hatte. Der rote Medaillon-Speicher lag in ihrer Hand. Er besaß kein Funkteil, keine Verbindung zum Schiff und eine Kante, die Enna als Kind mit den Zähnen eingedrückt hatte.
»Mama«, sagte Enna. Hinter ihrer Stimme liefen die Filter der Kinderstation. »Ich habe den neuen Bericht bekommen. Du auch, nehme ich an. Sag mir nicht, dass du ehrlich bist. Sag mir: Wem hast du mein Profil gezeigt?«
Dann kam das trockene Knacken eines gefalteten Medikamentenstreifens. Eine Frage, wie immer. Kein Abschied, der Sorel erlaubte, den Rest des Satzes selbst zu erfinden.
Die Nachricht war vor neunundzwanzig Stunden in Orison abgegangen. Selbst sofortige Wahrheit konnte die Handlung nicht zurückholen, auf die sie sich bezog.
Sorel öffnete Ennas Profil. Dreizehn Jahre Körper: Markdichte, Faltung, die Pausen, in denen ihr Blut sich nicht rasch genug erneuert hatte. Es waren Ennas Daten. Sorel durfte über akute Hilfe bestimmen. Nicht über Versuche mit fremdem Material. Die Grenze war ihr klar.
Ilyas' Folie zeigte zwei funktionsfähige neue Lungenabschnitte und eine falsche Umwelt dazu. Beides war wahr.
Sorel schob den Medaillon-Speicher in eine rote Blindkappe. Wenn die Analyse ohne Namen, Stimme und Bild lief, blieb sie nicht weniger Enna. Sie wurde nur leichter