Kapitel 08 – Eine andere Narbe
Die Außenhaut erinnerte sich falsch an einen Einschlag.
Die helle Mulde lag drei Meter hinter dem Sensorbügel. Seit neun Jahren stand sie als kleiner Einschlag im Buch: sieben Millimeter tief, dreizehn lang, dicht, keine tragende Faser verletzt. Mara kannte die Narbe vom ersten Radar-Nullabgleich. Ihr Streulicht war dort herausgerechnet worden.
Nun war die Mulde glatt.
»Die Aufnahme ist zeitversetzt«, sagte Nao.
Nao saß am freien Ende des Rückgrats, die drei Fasern in der Hand, den Nacken frei. Vor ihr drei Folien: Orison, Ankunft, vor siebenundvierzig Minuten. Jedes Bild zeigte die Mulde kleiner. Niemand hatte sie geflickt.
»Sensorfehler«, sagte Sorel. »Wir wissen bereits, dass die Referenz beschädigt ist.«
»Darum geht jemand hin«, sagte Liv.
Um T+42:00 begann Liv den Außengang. Ton, Kamera und aktive Verbindung trennte sie vorher von Hand. Ihr Log lief mechanisch; Mara folgte ihr nur mit stiller Optik. Lehren, Federzug und Reibbild blieben außen. Zwei Züge an der Leine hießen Notfall und zurück. Nao mochte das nicht. »Ich auch nicht«, sagte Liv. »Das ist kein Kriterium.«
Liv ging durch den Tunnel am Sensorbügel hinaus. Mara sah durchs Okular. Nur feste Linsen und Spiegel führten Licht herein. Erst ein weißer Handschuh, dann Livs Anzug, hart im Licht von Lysa. Mehr passte kaum ins Bild.
Die Luke fiel hinter ihr zu. Innen sprang der rote Stift vor: verriegelt.
