Sei-Deiner-Zeitform-Gewiss
Sie schlief nicht. Sie las die Seiten der Reihe nach, so wie man im Dunkeln einen Gang abschreitet, die Hand an der Wand, wissend, dass eine Treppe da ist, und nicht wissend, wo.
Er hatte ihre Zukunft übersetzt. Nicht vorhergesagt — in Wrens Zeilen lag nichts von der Unbestimmtheit eines Wahrsagers, kein *eine Reise* oder *ein Fremder*. Er schrieb in der aurelischen Sprache und setzte unter jede Wendung ihr schlichtes Deutsch, und jede deutsche Wendung war an dem Tag wahr geworden, den sie nannte. *Subjekt findet diese Kiste am dritten Morgen.* Sie hatte. *Subjekt erfährt nichts darüber, woran ich starb.* Sie hatte nichts erfahren. Er hatte ihre Woche übersetzt, eine Woche bevor sie sie lebte, und die Welt hatte, den Satz wahr findend, einfach gehorcht.
Anfangs waren die Einträge zärtlich. Er hatte es offenkundig gut gemeint. *Lass sie hier glücklich sein. Lass die Kastanien halten. Lass sie nicht einsam sein, wie ich es war.* Er hatte die Sprache benutzt, wie ein Großvater einen Wunsch benutzen mag, und versucht, ihren Herbst zur Güte zu biegen, und der Herbst hatte sich gebogen. Sie dachte an die seltsame Sanftheit des Pförtners, an die Kastanien, die noch ihr Laub hielten, an den Zweitsemestrigen, der sich ungebeten mit ihr angefreundet hatte. Wren hatte ihr Glück aus seinem Grab heraus eingerichtet, Satz um sorgsamen Satz, und nie ein einziges Mal gefragt, ob sie
