Ein-Schluessel-Und-Ein-Kalter-Herd
Wren hatte sechs Jahre damit verbracht, Ruhe in kleinen braunen Fläschchen an Menschen zu verkaufen, die keine hatten, und irgendwo im sechsten Jahr war ihr die eigene restlos ausgegangen.
Der Laden in der Stadt war schön gewesen, das sagten alle — die Apothekergläser in ihren ordentlichen Reihen, die Kreidetafel mit den Tinkturen, die Glocke, die zweihundertmal am Tag läutete. Sie hatte Baldrian für die Schlaflosen gemischt und Kamille für die Trauernden und Helmkraut für jene, die nicht sagen konnten, was nicht stimmte, und sie war gut darin gewesen, und es hatte sie ausgehöhlt wie ein Schilfrohr. Im Frühjahr konnte sie keinen Lavendel mehr riechen, ohne dass sich ihr Kiefer verspannte. So wusste sie es. Wenn das, was du liebst, nach dem zu schmecken beginnt, was dich gebrochen hat, bist du zu lange geblieben.
Als also der Brief kam, der besagte, ihre Großmutter Agnes sei gestorben und habe ihr das Häuschen hinterlassen, empfand Wren weniger Trauer als das Schwingen einer Tür in einem Haus, von dem sie vergessen hatte, dass es Zimmer besaß.
Das Häuschen lag am Ende eines Wegs, den die Landkarte aufgegeben hatte, niedrig und steinschultrig unter einem Dach, das an den Rändern weich und grün geworden war. Drinnen roch es nach kalter Asche und getrocknetem Lorbeer. Es gab einen Herd, schwarz von hundert Wintern Feuer, eine Anrichte mit unpassenden Tellern, ein Bett unter den