Chapter

Der-Grenzgang

Vor vierhundert Jahren hatten sie die Presse gehängt, und Lev war in der langen Stille danach aufgewachsen. So sagten es die Alten — *die Presse gehängt* —, als wäre die Maschine ein Mensch gewesen. In gewisser Weise hatte man sie wie einen behandelt: angeklagt, verurteilt, die Werkstatt ihres Erfinders bis ans Flussufer niedergebrannt, und in jedem Reich vom kalten Meer bis zum warmen ein Gesetz geschrieben, das das Vervielfältigen eines Buches auf anderem Wege als von Hand zum Verrat an der Ordnung des Wissens erklärte. Also wurden Bücher noch immer gemacht wie eh und je, Buchstabe für Buchstabe, von Schreibern, die jung erblindeten und wie Fürsten bezahlt wurden. Eine einzige Bibel kostete einen Hof. Ein Gedichtband ein Jahr. Die meisten Menschen im Jahr 1924 hatten nie eine Seite besessen und konnten die nicht lesen, die sie nicht besaßen. Lev lief die Lücken in dieser Stille. Er war ein Schmuggler, und seine Fracht waren Worte. Ein handabgeschriebener Kalender, ins Mantelfutter genäht. Ein Lehrbuch der Chirurgie, vierhundert Seiten, aufgeteilt in vierzig Bündel und getragen von vierzig Kindern, die nicht wussten, was sie trugen. Er brachte sie über den Meridian, die lange befestigte Grenze, die die Reiche eine Friedenslinie nannten und alle anderen eine Mauer gegen Gedanken. Er tat es, seit er zwölf war. Er war gut. Er war vorsichtig. Nie hatte er etwas getragen, das

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