Ein Sommer Mit Dem Grossvater
Esme war 2034 geboren worden. Der Große Ausfall war 2031 gewesen. Sie hatte daher keinen einzigen Tag in einer Stadt mit Strom gelebt.
Das war, wo Esme wohnte, nicht ungewöhnlich. Die ganze Region war seit vierzehn Jahren vom Netz. Das Land hatte technisch noch Strom in den großen Städten. Die kleineren Regionen waren im dritten Jahr des Ausfalls *deprioritiert* worden und nie wieder priorisiert worden. Die offizielle Linie war, dass sie *irgendwann* wieder angeschlossen würden. Vierzehn Jahre waren mittlerweile ein Irgendwann, für das niemand ein Datum hatte.
Esmes Stadt hatte sich angepasst.
Die Stadt war in jenen vierzehn Jahren — dachte Esme manchmal — zu einer ziemlich guten Stadt geworden. Es gab keinen Strom, aber es gab nachts Licht: Öllampen, Bienenwachskerzen, eine kleine Windmühle auf dem Hügel, die jeden Sonntag ein einziges Radio betrieb, damit die ganze Stadt die regionalen Nachrichten hören konnte. Es gab kein Internet, aber es gab eine Zeitung, gedruckt auf einer Presse im alten Schreibwarenladen der Stadt, zweimal die Woche. Es gab keinen Kühlschrank, aber es gab drei funktionierende Eishäuser, in den Kalksteinhügel hinter der Stadt geschlagen, durch ihre eigene alte Bauweise kalt gehalten. Es gab keine Online-Schule, aber es gab eine Schule in der alten Kirchhalle, mit sieben Lehrern und hundertvierzig Kindern, in der Esme neun Jahre lang Schülerin gewesen