Sturm Auf Dem Steg
Der Sturm kam in der Nacht zum 21. November, nicht angekündigt, jedenfalls nicht in der Stärke, die er dann hatte. Die Warnungen hatten den Tag über bei Windstärke sieben gelegen; es wurde neun, mit Böen in die Zehn. Julia hatte beschlossen, in Kladow zu bleiben, weil die Baufirma am nächsten Morgen kommen wollte, um die letzten drei Meter der Trockenmauer zu setzen. Das Leuchtfeuer brannte seit dem späten Nachmittag, die Laterne, die automatisiert war, drehte ruhig in ihrem Takt, der Wind riss an den Fenstern des Wärterhauses, aber das Haus stand seit 1905 an dieser Stelle und wusste, was es tat.
Um kurz vor neun ging Sarah auf den Steg hinaus. Sie hatte eine Lampe mit, sie wollte die Leinen prüfen, mit denen ihr kleines Ruderboot festgebunden war. Julia folgte, ohne zu fragen. Sie zog sich den Friesennerz an, den Sarah ihr zugeworfen hatte, weil der Mantel, den sie aus Berlin mitgebracht hatte, für das, was draußen war, nicht reichte. Der Steg war nass, das Wasser schlug mit einer Gewalt gegen die Holzplanken, die Julia als Berlinerin, die den Wannsee nur in Segelgrößen kannte, nie zugestanden hatte.
"Pass auf. Linke Seite ist rutschig."
"Ja."
Sie prüften die Leinen. Sie banden zwei nach, mit dem Knoten, den Sarah ihr im Sommer beigebracht hatte, während sie Kaffee getrunken und wahrscheinlich irgendetwas Wichtiges gesagt hatte, das Julia auch nicht mehr erinnerte. Das