Baupaene Und Trockenmauer
Anfang Mai saßen sie zum ersten Mal gemeinsam über den Plänen. Julia hatte im Kladower Kopierladen eine saubere Arbeitsgrundlage gezogen, zweimal DIN A1, auf Transparentpapier, und auf einer leeren Tischhälfte in Sarahs Küche das alte Bestandswerk aus dem Landesarchiv Potsdam ausgebreitet. Ganz oben lag der Grundriss der Laterne von 1905, unterschrieben von einem Baurat namens *Wöhrmann*, in feinen Linien, die sich über hundertzwanzig Jahre erstaunlich gehalten hatten.
"Sehen Sie das hier?" Julia zeigte mit dem Bleistift auf die Sockelecke an der Seeseite. "In der Ecke haben wir eine alte Entwässerung, die ins Nichts läuft. Die ist vermutlich in den Siebzigern stillgelegt worden, als die neue Drainage hinter dem Haus verlegt wurde. Problem ist, dass der Regen seitdem hier am Fuß steht, und genau hier ist der Klinker durchfeuchtet. Ich würde die alte Entwässerung wiederbeleben wollen. Das ist kein großer Eingriff, aber es sieht besser aus, wenn wir es denkmalkonform machen."
"Konform im Sinne von *aus den originalen Formsteinen*."
"Ja. Die Formsteine gibt es noch, in zwei kleinen Werkstätten in Brandenburg. Ich habe heute morgen telefoniert."
Sarah nickte. Sie saß schräg, die Ellenbogen auf dem Tisch, mit dem rechten Zeigefinger auf dem Papier, als könnte sie die Feuchtigkeit dort spüren. "Und der Klinker selbst?"
"Er ist in Ordnung. Das ist ein *Velten-Klinker*, eine