Altmodische Leute
Wenn die Pahlerbsen billig werden und ihr Geruch in der Luft schwebt, Karren voll Erdbeeren und Kirschen sich auf der Straße drängen, Gänge und Höfe voll Sonnennebel sind, und der Schattenstreif auf dem Trottoir so schmal wird, daß man nicht darin gehen kann, dann gibt es auf der langen Neustädter Neustraße kein kühleres Schlupfwinkelchen als den Käsehökerkeller von »Gebrüder Fritz und Johann Becker«, wie die rothe Firma auf weißem Grunde über der Treppe lautet. Zwar die schmalen, ausgehöhlten acht Sandsteinstufen hinunter schlängelt sich noch der dreiste Sonnenstrahl, guckt in die reinliche, schräg aufgestellte Tonne mit gelber Butter, gleitet mißachtend an den trockenen, weißen Bohnen und grauen Erbsen in ihren Säcken vorüber, um das Geschlecht der dickköpfigen Käse zu umtänzeln, und kitzelt noch zu guterletzt den zusammengeduckten Herrn Sottje auf dem Binsenstuhl, den riesigen schwarzen Kater, an der Nase, so daß er die glatte gebogene Pfote vorhalten muß, um nicht beständig zu niesen, was seiner Gemüthsruhe und Ehrbarkeit gleichermaßen zuwider. Aber Herrn Sottjes Nase bezeichnet die Grenze – weiter dringt die Sonne nie. Dahinter ist Alles Kühle, Schatten, vergnügliche Dämmerung. Und inmitten dieses Schattens, hinter dem weißgescheuerten Ladentisch mit der glänzenden Messingwage und den schmalen blanken Messern, zur Rechten einen großlöcherigen, safttröpfelnden