Die Spur Im Papier
Die Suche begann mit dem Buch selbst. Hannah drehte es in den Händen, suchte nach Hinweisen — einem Exlibris, einem Stempel, einer Widmung. Auf der ersten Seite fand sie einen verblassten Aufkleber: Stadtbücherei Freiburg, ausgemustert. Darunter, mit Bleistift, ein Name: E. Rosen. Ob es der Name der Frau war, die den Brief geschrieben hatte, oder nur einer der vielen Menschen, die dieses Buch in den Händen gehalten hatten, wusste Hannah nicht.
Sie rief in der Stadtbücherei Freiburg an und landete bei einer Bibliothekarin, die so klang, als freue sie sich zum ersten Mal seit Jahren über einen ungewöhnlichen Anruf. Ja, sagte die Frau, sie könne in den alten Ausleihkarten nachsehen, aber das dauere, die seien im Keller, und der Keller sei nicht klimatisiert, und eigentlich sei das nicht vorgesehen. Hannah überredete sie, und zwei Tage später kam eine E-Mail mit einem eingescannten Karteikärtchen.
E. Rosen hatte das Buch neunmal ausgeliehen, zwischen neunzehnhundertsechsundachtzig und neunzehnhundertneunzig. Neunmal denselben Roman, als suche sie darin etwas, das sie nicht finden konnte — oder als lege sie jedes Mal etwas hinein, das sie nicht mit nach Hause nehmen wollte. Hannah begann zu begreifen, dass der Brief kein Zufall war, sondern ein Flaschenpost, geworfen in ein Meer aus bedrucktem Papier, bestimmt für jemanden, der bereit war, zwischen den Zeilen zu lesen.