Zwei reiche Frauen
Die weiten Hallen des Bahnhofes einer mittelgroßen deutschen Stadt sind voll regen Lebens. Auch ohne die wunderbar erregende Luft und das hell flimmernde Licht hätten die sich hier umthuenden Spaziergänger merken müssen, daß der Frühling gekommen, und mit ihm die Herrschaft zu Ende sei, welche sie während des Winters ziemlich ungestört für eine mittägliche Erholung ohne Regen, Sturm und Schnee in diesen gedeckten Gängen behauptet haben. Wieder drängen die Reisenden, welche die mit jedem Jahre neu sich regende altgermanische Wanderlust treibt, Unbequemlichkeit und Strapazen aufzunehmen für die Wunder der schönen Gotteswelt; und unter das hier nie aussterbende Publikum mit abgetriebenen Zügen und staubigen Gewändern von jenem durchdringenden Geruch, den alle Kleider bei langen Eisenbahnfahrten annehmen, mischen sich auch die Ausflügler für ein paar frohe Stunden. Wie sie hübsch und anmutig aussehen, diese feinen Mädchengestalten in dem hellen Kostüm; wie die Augen blinken; wie das schwatzt und lacht, leise und laut, neckisch und verbindlich! Denn auch die Herren sind erschienen, elegante Figuren, deren Art, sich zu geben, durch das Zivil hindurch sofort verrät, daß sie dem Stande angehören, der sich daran gewöhnt hat, in unserm lieben Vaterlande für den privilegierten zu gelten. Ja, wenn auch die Sonne nicht ihren Weg bis in die letzten Nischen unter dem Bogengewölbe gefunden