Zwei Männer
Albrecht Michael von Fronhofen saß nah am Bette seiner Frau und las ihr einen Brief vor. Sie lag regungslos, gerade auf dem Rücken, und ihr Angesicht wandte sich um keine Linie breit dem Lesenden zu. Ihre großen Augen waren weit geöffnet, und die dunkle Iris darin stand ganz nach rechts. So hing ihr Blick am Munde des Gatten. Ihr schmaler Kopf, mit dem vollen Blondhaar, das vom Scheitel aus in Bandeaux an Schläfen und Wangen niederging, und mit dem feinen Gesicht, dessen Züge alle etwas in die Länge gezogen waren, lag auf dem weißen Kissen wie auf einem Hintergrund, der ganz besonders für ihn ausgesucht schien. All' die blassen Farben des Haares, der Wangen, der Leinwand stimmten köstlich zusammen. Das dunkle Auge, in welchem der Ausdruck mühsamen Horchens und gespannter Aufmerksamkeit lag, gab dem ruhenden Frauenbild Leben. Die langen, bleichen Hände hatte Frau Christine mit ausgestreckten Armen glatt auf die weiße Bettdecke gelegt. Links neben dem Lager erhob sich die blaßgrüne Zimmerwand. »Bitte, noch einmal,« bat Frau Christine mit ihrer leisen, angenehmen Stimme. Und er las gefällig noch einmal. Er wußte, es war ihrer Schwäche nicht möglich, alle Sachen gleich beim ersten Hören zu fassen oder gar zu übersehen. Aber er dämpfte seine Stimme nicht; so volltönig sie war, sie that seinem Weibe niemals weh. »Lieber Vater! In drei Tagen bin ich wieder bei Euch. Endlich, endlich!