Erstes Kapitel
Ein reges Leben herrschte am 18. Februar 1868 auf den Straßen von Hietzing, dieses kleinen Fleckchens, der die große kaiserliche Residenz Schönbrunn umgibt und sich aus freundlichen und eleganten Sommerwohnungen für das Wiener Publikum zusammensetzt. Zu anderen Zeiten war um diese Jahreszeit Hietzing verödet und still, denn seine Saison beginnt erst mit dem Mai und Juni, und während der Winterzeit sieht man nur die Eingeborenen über die Straßen gehen und sich abends in kleinem Zirkel im Hinterzimmer von Dommayers Kasino versammeln, um in Gruppen, welche einen würdigen Vorwurf für Hogarths Griffel abgeben würden, die einfachen Tagesereignisse des winterlichen Stillebens zu besprechen bei einem Glase Schwechater Bier oder einem Schoppen Vöslauer. Anders war es an jenem hellen, schönen Februartage des Jahres 1868. Auf der großen Hauptstraße von Hietzing, welche in langer Windung durch den ganzen Ort läuft, zogen Männer jeden Alters hin, alle von nordländisch blondem Typus, kräftig gebaut, groß und stark – alle erkennbar als dem Stande der Bauern oder kleinen Bürger angehörig – alle im Sonntagsstaat, – alle mit gelb und weißen Seidenschleifen auf der Brust, – alle den Ausdruck feierlicher Stimmung, tiefer Rührung in den starken Zügen der markigen Gesichter. Es waren die Hannoveraner, welche aus allen Teilen des Landes herbeigekommen waren, um teils einzeln, teils als Deputationen