Zwei Frauenleben
Charlie de Bréars war erwacht. Nicht in seinem einfachen Junggesellenheim in dem altersgrauen Hause zu Versailles, sondern im Schlosse Bouvières. Nach dem allzu üppigen Champagnersouper hatte er in dem fürsorglich überheizten Zimmer, in einem breiten weichen Bett, schlecht geschlafen. Gewiß, seine guten Vettern verstanden es, sich das Leben bequem zu machen! Er drehte das Licht auf und musterte das Zimmer: Ein Kamin, in dem man ganze Bäume verheizen konnte, tiefe Fauteuils, schwere Teppiche und ein Toiletteraum mit luxuriösem Bad und allerlei Duschen. Der ganze übertriebene Komfort der Einrichtung widerstrebte seinem einfachen, fast puritanischen Geschmack. Denn, obwohl Charlie de Bréars in der großen Welt lebte und zu ihr gehörte, zeichnete ihn ein Ernst der Lebensauffassung aus, der seiner Jugend kaum entsprach. Er führte ein nüchternes, reines, tätiges Leben, arbeitete an seiner Bildung und ging in seinem Beruf als Offizier auf. Seine Kameraden lächelten oft über den Dragonerleutnant, der die Tugend predigte, aber keiner hätte eine verletzende Bemerkung gewagt, denn sie kannten seine Empfindlichkeit. Während er sich ankleidete, dachte er an andere Morgenstunden, wenn sein Pferd im Hofe mit den Hufen scharrte. Gestiefelt und in den Waffenrock geschnürt, hinauf in den Sattel! Und hinaus in die menschenleeren, dämmerigen Straßen! Der kalte Wind blies die verblassenden Sterne