Ein Tag - I
Man nannte Ella gewöhnlich »die mit dem Zopf«. Aber wie dick der Zopf auch war, – hätte ihn eine getragen, die minder hübsch, minder freundlich und unbefangen gewesen, so würde kaum jemand ihn bemerkt haben; das muntere Leben, das er da hinten für sich allein lebte, wäre dann mit Schweigen übergangen worden. Und das, trotzdem er der dickste Zopf war, den irgend jemand dort in der kleinen Stadt je getragen hatte. Vielleicht nahm er sich auch stärker aus, als er war, weil Ella selbst klein war. Wie weit er hinunter reichte, kann man nicht gut sagen; er reichte ein gutes Stück bis unter die Taille, ein sehr gutes Stück sogar. Seine Farbe war unbestimmt, und folglich auch unnennbar. Sie fiel ein wenig ins Rötliche; aber dort in der Stadt pflegte man zu sagen, er sei blond, und dabei können wir ja bleiben, da wir die Mittelfarben nicht besonders zu bezeichnen pflegen. Das Gesicht zeichnete sich durch seine weiße Haut aus, war hübsch geformt mit geraden Zügen von der Stirn bis zum Kinn, hatte einen kurzen, aber vollen Mund und selten unbefangene Augen. Sie hatte bei ihrer Kleinheit eine starke Figur, aber etwas zu kurze Beine; um so schnell vorwärts zu kommen, wie sie ihrer Natur nach mußte, hatte sie sich einen raschen Trab angewöhnen müssen. Dies Rasche hatte sie übrigens bei allem, was sie vornahm, und daher hatte der Zopf es auch wohl eiliger, als Zöpfe es gewöhnlich haben. Ihre