Chapter

Kapitel 1

Die gesamte tanzlustige Badegesellschaft von Liebenthal schien bereits versammelt, als der junge Rechtsanwalt Hans Volckmar den Saal des Kurhauses betrat. Er fühlte sich fast ein bißchen beklommen, so vornehm und elegant erschienen ihm alle diese fremden Damen und Herren in ihren tadellosen Toiletten und in ihrem würdevollen, mehr feierlich gemessenen als bademäßig fröhlichen Benehmen. Als er dann aber bei etwas genauerer Musterung die angenehme Entdeckung machte, daß unter den jungen Mädchen, die da in sommerlich hellen Gewändern sittsam neben ihren Vätern oder Müttern an den Wänden herumsaßen, gar manche allerliebste Erscheinung war, schwand seine Befangenheit bald dahin, und die lustige Ferienstimmung, die ihn hierhergeführt hatte, nahm wieder ganz und gar von ihm Besitz. Seiner Überzeugung nach gab es ja auch kaum einen Menschen, der begründetere Veranlassung gehabt hätte, äußerst vergnügt zu sein. Hatte ihn der Himmel mit irdischen Glücksgütern auch nicht allzu reich gesegnet, so besaß er doch im reichsten Maße alles, was das Dasein erfreulich und heiter zu gestalten vermag: Jugend, Gesundheit, tüchtige Kenntnisse und eine unverwüstliche Arbeitslust. Seine erst vor einem Jahre aufgenommene Praxis in einer größeren Provinzialstadt hatte sich fast über Erhoffen günstig entwickelt, und erst kürzlich hatte ihm ein glücklich durchgeführter schwieriger Prozeß ein ganz

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