Zu Fussen des Monarchen
Chamonix, den 31. Juli 1873. Die Arve rauscht zu meinen Füßen, und über der Flegère ist das Siebengestirn aufgestiegen. Als ich das »geliebte Tal« betrat, war die Sonne im Sinken. Der Trümmergipfel des Brenet lag schon im Dunkel; drüben aber leuchtete das Haupt des Monarchen, und sein langes, weißes Gewand war mit Goldglanz übergossen. Während meiner Tagesfahrt auf der Genfer Straße hatte ich wiederholt die alte Majestät, lugend über einer Schlucht, so dicht mir gegenüber gesehen, daß ich vor entzücktem Schreck die schuldige Reverenz vergaß; kaum aber in verständige Touristenstimmung zurückversetzt, war die hohe Erscheinung entschwunden, so jach als sie aufgetaucht. Majestäten-Los: einen Augenblick zu blenden, um dann von niederen Geschieben verdrängt zu werden und erst in der Ferne dauernd zu leuchten! Nun jedoch, da ich den blaßgrünen Teppich seiner Thronstufe betreten hatte, neigte ich mich ehrfürchtig und sehnsüchtig vor dem Unerreichbaren, wennschon er mir in seiner breiten Entfaltung, mit dem weiten Umkreis seines Speer und Morgenstern tragenden Heergefolges längst nicht mehr von so überwältigender Größe erschien, wie als flüchtiges Einzelwesen aus der Tiefe einer Schlucht. Dann aber winkte ich ihm vertraulich einen Gruß zu von dir, mein Freund, dem Starkgemuten, dessen Lust es so manches Jahr gewesen ist und, will es Gott! so manches Jahr noch bleiben wird, in die Falten