I
Ich hatte keinen Vater – das heißt: ich habe meinen Vater nie gekannt –, Zipper aber besaß einen. Das verlieh meinem Freund ein besonderes Ansehen, als wenn er einen Papagei oder einen Bernhardiner gehabt hätte. Wenn Arnold sagte: »Ich gehe mit meinem Vater morgen auf den Kobenzl«, so wünschte ich mir, auch einen Vater zu haben. Man konnte ihn bei der Hand nehmen, seine Unterschrift nachahmen, man konnte von ihm Rügen, Strafen, Belohnungen, Prügel erhalten. Manchmal wollte ich meine Mutter veranlassen, noch einmal zu heiraten; denn selbst ein Stiefvater kam mir begehrenswert vor. Die Lage der Dinge ließ es aber nicht zu. Der junge Zipper protzte immer mit seinem Vater. Dies hatte ihm der Vater gekauft, jenes verboten. Dies hatte er ihm versprochen, jenes versagt. Mit dem Lehrer wollte der Vater sprechen, einen Hauslehrer wollte er bestellen, Arnold eine Uhr zur Konfirmation kaufen und ihm ein eigenes Zimmer einrichten. Selbst wenn der Vater dem Sohn eine Unannehmlichkeit zufügte, so war es, als hätte Arnold sie selbst gewünscht. Der Vater war ein mächtiger, aber zugleich auch ein dienstbarer Geist. Manchmal kam ich mit Arnolds Vater zusammen. Eine Viertelstunde lang behandelte er mich wie seinen eigenen Sohn. Er sagte mir zum Beispiel: »Mach den Kragen zu, es geht ein Nordwest, man kann Halsweh kriegen.« Oder: »Zeig mir mal deine Hand her, du hast dich ja verletzt, wir wollen