Die Paradoxe Mission
Der Plan war einfach und unmöglich zugleich: Nadia musste durch den Riss gehen, den Punkt in der Zeitlinie finden, an dem der Bruch entstanden war, und ihn reparieren — ohne dabei die Gegenwart zu verändern, aus der sie kam. Das Problem war, dass jede Handlung in der Vergangenheit die Gegenwart veränderte, sofort und unwiderruflich, und dass Nadia keine Möglichkeit hatte, die Auswirkungen vorherzusagen. Es war, als würde man einen Motor reparieren, während er lief, mit verbundenen Augen und unter Wasser.
Sie betrat den Riss um 14:32 Uhr und fand sich in einem Berlin wieder, das sie nicht kannte. Die Luft roch nach Kohle und Pferden, die Straßen waren aus Kopfsteinpflaster, und am Himmel stand die Sonne an einer Position, die dem Monat Oktober entsprach, nicht April. Ihr Chronometer zeigte das Jahr 1847 an — das Jahr, in dem Werner von Siemens den Zeigertelegrafen patentieren ließ, ein Ereignis, das in Nadias Zeitlinie als einer der Ausgangspunkte der technologischen Revolution galt.
Der Riss, von dieser Seite betrachtet, war kleiner und weniger auffällig, ein Flimmern in der Luft über dem Pariser Platz, das die Berliner des 19. Jahrhunderts offenbar nicht bemerkten oder ignorierten. Nadia folgte den Energiespuren, die ihr Chronometer registrierte, durch Straßen, die gleichzeitig vertraut und fremd waren, und mit jedem Schritt wuchs das Gefühl, dass der Riss nicht das Problem