1. Bertholds Kindheit.
Die Glocken rufen zum Hause des Herrn, und da ich eben mein sonntägliches Gewand anlegte, gemahnte es mich, als müsse ich dem Rufe folgen, wie ich einst in schöneren Tagen gethan, zwar wider Gesetz und Herkommen, aber dennoch mir zur tröstlichen Erinnerung, weil es meine frohesten Stunden waren, in welchen ich, ein Mitglied der christlichen Gemeinschaft, wie unser Herr und Heiland sie eingesetzt, inmitten der festlich gekleideten Menge niederkniete, und wenn dies Beginnen Frevel war, wie sie sagen, so möge der gute Gott mir vergeben, daß ich keine Reue dafür finde, und daß Ergebung und Entsagen nicht meine freie Wahl sind. Durch mein von Reben umranktes Fenster blick ich sehnsüchtig hinaus über die stillen Felder und Wiesen nach der Stadt mit ihren schlanken Kirchturm, von welchem die Glocken herniedertönen, und obschon ich nicht bereuen mag, daß auch ich einst ein Gleicher unter Gleichen schien, so zerr ich doch nicht gewaltsam an der Kette, die mich hält und drückt, sondern schleppe sie ruhig Schritt für Schritt weiter, thue, was meines Amtes, mit demütigen Eifer und komme nur dann aus meiner traulichen Zelle unter die Leute, wenn mein Beruf es heischt. Da drängt sich denn das Volk, mich zu sehen, wie ich in meinem stattlichen Scharlachmantel, gefolgt von meinen Knechten, hervortrete, und auf der hohen Obrigkeit Befehl dasjenige vollführe, wovon wohl jeglicher auch ohne des