Zaren, Popen, Bolschewiken
In Moskau kommt der Petersburger Zug auf dem Nikolajewski Woksal an und fährt vom Kurski Woksal weiter, die beiden Bahnhöfe sind einander nahe, eine Viertelstunde genügt, um mit dem Schlittenkutscher handelseins zu werden, und zehn Minuten währt die Fahrt. Jedoch die Platzkarte (russisch: Platzkarta) hält auf: obwohl man sie bereits besitzt, hat man am Schalter die Nummer des Waggons und des Platzes ausfüllen zu lassen, und das dauert noch länger, als in einem russischen Postamt eine Briefmarke zu kaufen. Bedrohlich naht die Minute der Abfahrt, der Mann im Fenster läßt nicht von seiner Gemächlichkeit, und die Leute, die Queue stehen, werden nicht nervös, alle Menschen haben hier Zeit und Geduld, unfaßbar viel Geduld. »Moskau–Sebastopol«, »Moskau–Rostow«, »Moskau–Nishnij-Nowgorod« steht auf einigen Waggons, dort nehmen nur Reisende kurzer Fahrt Platz, sie haben bloß eine Strecke zurückzulegen, die etwa so lang ist wie von Rom nach Stockholm. Imposantere Kennzeichnungen: »Moskau–Baku«, »Moskau–Tiflis« oder gar »Moskau–Wladiwostok«, d. h. vierzehn Tage, wenn es gut geht; und dann steigt man um, Kleinbahn, Renntierschlitten, Schneeschuhe . . . Blau gestrichen sind die internationalen Schlafwagen, in erste und zweite Klasse eingeteilt, in ihnen sitzen englische Kaufleute und deutsche Diplomaten, einer tritt sein Amt als Generalkonsul in Tiflis an, einer ist Gesandtschaftssekretär in