Xaver Z'Gilgen
Wer die Natur aufrichtig schätzt, hat seine Lieblingsgegenden, in welche er immer wieder zurückkehrt, selbst wenn er inzwischen überlegenere landschaftliche Bilder kennengelernt haben sollte. Ja, es wird sich gewöhnlich etwas Eifersucht in die Liebe mischen. Man möchte eine Landschaft, die man in den verschiedensten Stimmungen geschaut und hierdurch gewissermaßen erlebt und sich angeeignet hat, nicht mit dem ersten besten teilen; man empfindet die Anlage einer Verkehrsstraße oder den Bau eines Gasthauses als einen Eingriff, man fühlt sich dadurch verletzt und beleidigt. Eine der Gegenden, die es mir angetan haben, liegt zwischen dem Kloster Einsiedeln und dem Flecken Schwyz; sie ist schön genug, um das Auge und das Herz durch ihre Majestät zu entzücken, aber auch einsam genug, um ungestörtes Sinnen und Genießen zu erlauben. Man fährt des Morgens in der Frühe mit der Bahn von Zürich an dem freundlichen Seeufer dahin, dann mit einer Bergbahn nach den Höhen der Schindellegi und über die Wasserscheide nach Einsiedeln. Hier hat die Welt ein kleines, hohes und wildes Ende, und es gilt, über den Yberg, einen harmlosen, die Kraft eines rüstigen Spaziergängers erfordernden Paß unterhalb des Mythenstocks, zu steigen. Der Weg ist weiter, als einem die Erinnerung, welche ja stets die Entfernungen verkürzt, gesagt hatte; die Zeit verstreicht; man hat vielleicht ein Stündchen zu lange beim