Erster Teil
Die schwüle Luft eines Spätsommertages lag auf der Stadt. Kein Windzug entführte den Rauch, welcher aus ungezählten Essen emporstieg und zu einem Schleier von totem Grau verdichtet über dem ganzen Weichbilde stand. Der Fluß führte wenig Wasser unter den breitspannenden Brückenbogen thalwärts, und das bißchen Kühle, das er auf seinen gelben Wellen mit sich gebracht, verflog schnell, aufgesogen von der Sonne, die, schon seit Wochen unbarmherzig vom wolkenlosen Himmel herniedersengend, den Blättern der Alleebäume längst die Farbe des Tabaks gegeben und das Erdreich in morschen Zunder verwandelt hatte. Jeder Windzug entführte davon Teile, die sich in inniger Verquickung mit dem Straßenstaub, dem Ruß der Fabrikessen und der Schornsteine auf Menschen, Tiere, Pflanzen legten und den Lungen eines jeden Lebewesens das Atmen erschwerten. Wem in dieser Jahreszeit Beschäftigung oder Kasse nicht erlaubt hatten, ins Hochgebirge oder an die See zu entfliehen, der suchte in den Feierstunden wenigstens aus den Mauern hinauszugelangen in die luftig gebauten Villenvororte, in die Obstgärten und Weinberge unterhalb der Stadt, vielleicht auch in die ausgedehnten Waldungen im Norden. Die Menschenwogen, welche sich aus dem rauchigen Centrum in die Naturfrische ergossen, hatten jenen herdenartigen Charakter angenommen, den die Menge zeigt, sobald ein Naturereignis, ein gemeinsames Erleben, oder auch