Die arme Familie
Und wenn sie uns nicht das Wenige bezahlt, was sie uns schuldig ist? fragte das junge blonde Mädchen mit höchst bekümmertem Ton. In dem Fall, sagte die Mutter trübselig, wüßte ich mit gar nicht mehr zu helfen. Wenn nicht der alte Oheim – Denken wir nur an den alten Geizhals nicht, rief die lebhafte Henriette, halb im Weinen und halb im Zorn; er thut nichts für uns, wenn er uns auch sterben sieht, das hat er ja selber oft genug gesagt. Schelte nur nicht auf ihn, antwortete die Mutter zurechtweisend, er hat freilich etwas mehr als wir, aber er ist doch ebenfalls arm. Und sein eigner Bruder, Dein Vater, Kind, hat ihn zu Grunde gerichtet; und darum ist es auch natürlich, daß ihm von Zeit zu Zeit das wieder beifällt und er auf uns böse ist. So muß ich also, in dieser Hitze, noch einmal über die Brücke laufen, sagte Henriette, um die gnädige Frau drüben um die paar Groschen zu mahnen, die sie mir schon so lange für die mühselige Stickerei schuldig ist. Und wer weiß noch, ob ich sie zu Hause treffe. Schlimmer, sagte die Mutter, wenn sie es übel nehmen sollte und künftig gar nicht mehr bei uns arbeiten läßt, oder gar andere Reiche und Vornehme vor uns warnt, als wenn wir schlecht erzogene und unverschämte Leute wären. Das ist das Entsetzliche bei den Reichen, daß sie es nicht fassen, wie wichtig dem Armen so oft ein paar Groschen sind, die sie in ihrem Leichtsinn immer und immer wieder